Am fünften Tag unserer Wanderwoche in der Toskana haben wir uns aufgeteilt in zwei Gruppen. Die größere Gruppe besuchte das Weltkulturerbe, gleichzeitig Nationalpark, Cinque Terre am Ligurischen Meer. Cinque Terre (Fünf Gebiete), das sind fünf aneinandergereihte Dörfer an dieser klimabegünstigten Küste, die malerischer kaum sein könnten. Bunte Häuser drängen sich an der Steilküste in enge Täler zwischen Felsen, Weinbergen und Olivenhainen. Man erreicht diese Dörfer entweder über eine Bahnlinie, die von einem Tunnel in den anderen fährt und kurze Blicke dazwischen auf das Meer gestattet. Oder man nimmt die Bootsverbindung von Dorf zu Dorf, die jedoch unseren Leuten verwehrt blieb: zu starker Seegang. Man ist dort gewiss nicht allein unterwegs. Viele, viele Touristen wollen sich die pittoresken Dörfer mit den Häfen und mit Burgen anschauen. Italien hat bereits Maßnahmen ergriffen, den Touristenstrom zu begrenzen. Dazu gehören Verhaltensregeln, die mit Bußen geahndet werden, Gebühren für Wanderwege, Einbahnverkehr auf Wanderwegen zur Hochsaison oder teurere Zugfahrkarten für Nicht-Einheimische im Sommer sowie an Wochenenden. Unsere Leute waren trotzdem begeistert von Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso al Mare.
Ein kleinerer Trupp machte an diesem Donnerstag zwei Ausflüge. Die Fahrt nach San Terenzo Monti dauerte nicht lange und wir gelangten in ein altes Bergdörflein. Dort befindet sich das vom italienischen Bildhauer Pietro Cascella (1921–2008) 1997 aus Carrara-Marmor geschaffene Hauptgedenkmonument „Gefallene von San Terenzo“. Es erinnert an die Massaker der deutschen Waffen-SS im Jahr 1944 in diesem Ort und in umliegenden Dörfern. Insgesamt wurden bei den Aktionen der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ zusammen mit den italienischen faschistischen paramilitärischen schwarzen Brigaden über 400 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder zum Teil bestialisch ermordet. Im Gedenken daran haben wir Blumen am Denkmal abgestellt.
Der Zweite Ausflug führte uns nach Equi Terme, einem Kurort mit schwefelhaltigen Quellen. Eine kurze Wanderung führte durch den verschlafenen Ort zu offenen Badetümpeln, wo aufsteigende Blasen die Thermalquelle anzeigen. Das haben wir natürlich für ein erfrischendes, gesundes Bad genutzt.
Inspiriert durch diesen Kurztrip haben wir das Programm des Freitags angepasst und sind von Monzano nach Equi Terme gewandert. Eine wunderschöne Tour am Fuße des Pizzo D’Ucciello, der die Gegend um Gragnola, Monzano und Equi Terme mit seiner markanten Bergform beherrscht. Viel schattenspendender Wald und wieder mal ein herrliches kleines Bergdorf (Aula) begleiteten uns auf der Wanderung. Und erneut wurden die Quelltöpfe zur Erfrischung genutzt.
Den Abschluss unserer Wanderwoche bildete dann der erneute Besuch der örtlichen Pizzeria in Gragnola. Bei Pizza, Salat und Vino ließen wir die Woche Revue passieren und alle waren sich einig: diese Ecke der Toskana ist eine Reise wert. Dankeschön an alle, die dabei waren.
Hans-Jürgen Digel
Bilder von Behrendt und Digel












