Englandfahrt erster Teil

Es sei ungewöhnlich, nach England zum Wandern zu reisen? Die 15 Mitreisenden aus unserer Ortsgruppe könnten sich jedenfalls daran gewöhnen. Am Donnerstag, den 19.07., ging es per Direktflug von Echterdingen nach Manchester und dann mit Mietwagen weiter nach Thurlstone am Rande des ältesten, englischen Nationalparks im Peak-District. Die Unterkunft in einem ehemaligen Pfarrhaus neben der Kirche begeisterte uns gleich; gepflegter, alter englischer Stil, außen und innen. Da das Wetter, gänzlich unenglisch, nahezu die ganze Zeit über trocken und mit angenehmen Temperaturen gesegnet war, konnten wir unser Wanderprogramm weitgehend durchziehen.

Am Freitagvormittag erklommen wir vom Stausee Ladybower Reservoir aus den Win Hill. Der Weg führt durch Wald- und Moorlandschaft zum freien Gipfel. Die Aussicht von den Gipfelfelsen lohnte den Aufstieg über 300m auf jeden Fall. Nach dem Mittagessen im Yorkshire Bridge Inn wanderten wir erneut oberhalb eines Trinkwassersees (Upper Derwent Reservoir zur Versorgung der umliegenden Großstädte Manchester, Sheffield und Derby) durch die herrliche Landschaft Mittelenglands zum Derwent Edge (538m). Nur selten begegnet man anderen Wanderern, dafür wurden schon mal Rebhühner oder Fasanen aufgeschreckt.

Der Samstag war einem Besuch in Manchester vorbehalten. Die Metropole mit über 500.000 Einwohnern war einst die wichtigste Industriestadt der Welt (!) mit ihrer Textilindustrie. Die erste Eisenbahn der Welt führte von Manchester nach Liverpool. Nach dem Niedergang der Textilindustrie erlebte Manchester schwere Zeiten. Heute ist die Stadt nach der Wirtschaftsstärke auf Platz drei in Großbritannien. Wir besuchten das Imperial War Museum mit beindruckenden Dokumenten zum ersten und zweiten Weltkrieg. Eine kleine Gruppe ließ es sich dann nicht nehmen und machte eine geführte Tour durch das Fußballstadion von Manchester United „Old Trafford“. Nach Sightseeing und Shopping trafen sich alle wieder im Pub „Old Wellington“ und mit einem leckeren Essen beim Italiener ging der Tag zu Ende.

Am Sonntag unternahmen wir eine Wanderung in die und durch die Geschichte. Das Dorf Eyam ist bekannt als Pest-Dorf. In den Jahren 1665 und 1666 wurden 75 % der Bevölkerung vom „Schwarzen Tod“ dahingerafft. Nahezu an jedem Haus im Dorf steht eine Tafel mit den Namen der verstorbenen Familienmitglieder. Die Kirche „Plague-Church“ (Pest-Kirche) ist ein Kleinod, in der Umgegend findet man Kleinstfriedhöfe der pestgeplagten Bauernfamilien. Im Pub/Restaurant „Miners Arms“ gab es zur Stärkung Fisch, Pie, Braten und leckeren Nachtisch. Dass es in England extra Pub-Walks (Wanderwege von und zu Pubs) gibt, braucht nicht zu wundern. Die meisten Pubs sind urig, alt und bieten gutes Essen und natürlich Bier, mittlerweile in dutzenden Sorten; so auch das Old Horns Inn in High Bradfield. Es war Ausgangs- und Endpunkt einer wunderschönen Wanderung um das Agden Bog Nature Reservoir. Tolle Naturpfade am Stausee entlang, auf die Höhen rundherum, neben Viehweiden (Highland-Cattle und Ralfs Lieblinge die Sheep) und durch offene Parklandschaften haben uns begeistert. Dass der erste Teil des Englandaufenthalts (drei Unentwegte blieben noch länger) bei einem Pubbesuch in Thurlstone endete, dürfte kaum überraschen. Dabei wurde sogar gesungen und Kontakt zum Gesangsverein des Ortes geknüpft.

Lieben Dank an die Organisatorin Heike, die Linksfahrer in den Autos, den disziplinierten Auftischern, Abspülern, Kochern, an Ralf für die Duschmöglichkeit in seinem Zimmer und der ganzen Truppe für harmonische Wandertage im Herzen Englands.

Kleines English Dictionnary:

Priority: völlig onaidige Geldverschwendung beim Fliaga

Mann-englischer Käse: völlig richtige Übersetzung von Manchester

Booksla: fast völlig ausreichende kleine englischsprachige Wanderführerbiachla

Sex and crime: Zeitvertreib hinter kleinen Küchenschranktüren (doorles), nichts für Völlige (!?)

Notblicker: bereits lizensierte Linksfahrer, mit N auf dem Auto und völligem Nichtblick

Snickersbrot: anfangs völlig unterschätzte, süchtig machende Frühstückskombination

„Der frühe Vogel fängt das Toilettenpapier“: Materialmangel lässt sogar notorische Langschläfer völlig früh aufstehen

Bilder von Digel, Ginglseder, Over, Wahl