8. Kulturabend

Tolles Musikkabarett

120 begeisterte Gäste feierten am Samstagabend den Bariton Jürgen Deppert mit standing ovations.

Liederkranz und Schwäbischer Albverein hatten eingeladen zur „Oper uff Schwäbisch“. Wie soll das denn gehen? Und wie es ging: Jürgen Deppert führt kurz in das Geschehen jeder Oper ein und intoniert mit seinem warmen Bariton immer zuerst das Original, mit viel Schmelz in der Stimme, teils dramatisch, teils lustvoll je nach Inhalt. Dann folgt höchst humorvoll umgarnt seine „etwas andere Version“ des Libretto in deftigem Schwäbisch über unsere landsmannschaftlichen Eigenheiten, Vorlieben und Vorzüge, Schwächen und „Mödele, dia mr halt hend“. Diese Versionen, im gleichen Belcanto gesungen, erstaunen ob ihrer Treffsicherheit und dem ganz natürlichen Zusammengehen mit der Musik.

Er startet mit „Le Nozze di Figaro“ von Mozart, wo aus der Arie „Se vuol ballare“ eine Hymne ans schwäbische „Schbaare“ wird. Natürlich beklagt auch Deppert fein ironisierend das Schicksal der meisten Baritone in den Opern, wo sie meist zweiter Sieger hinter den Tenören bleiben. Aber manchmal geht es ja auch „gut“ aus: Tenor stirbt, Bariton überlebt. Donizettis Arie in „La favorita“ wandelt sich zur Deskription eines „Kinodaags“ auf schwäbisch, wo mal nicht so gespart wird: Popcorn und Cola in Massen, Film – weniger wichtig. Vor der Pause noch der Übergang zu Verdi. Il trovatore, die Oper; Il balen del suo sorriso (das Blinken ihres Lächelns) die Arie. Daraus wird das Blinken in den Augen eines jeden Schwaben, wenn er sein Nationalgericht, die Schbädzla“ kriagt. Alle schwäbischen Spezialitäten finden Eingang in diesen geschmetterten Lobgesang. Nach der kurzen Verschnaufpause steigert Deppert noch Dramatik und Pointen. Zweimal Verdi mit „Un ballo in maschera“, was zum Klagelied über die Handwerker mutiert. Und eine Arie aus „Die Macht des Schicksals“, welche eine Metamorphose durchmacht zur Auflistung von schwäbischen Schimpfwörtern über unliebsame Nachbarn. Es folgt der gesangliche Höhepunkt und gleichzeitig Schlusspunkt des offiziellen Programms: Georges Bizets „Carmen“ mit der Arie des Toreros Escamillo. Große spanische Tradition wird zur noch größeren schwäbischen – zur „Kehrwoch“.

Trotz fortgeschrittener Stunde kredenzt „Der Bariton“ auch noch etliche Zugaben. Reinhard Heer vom Liederkranz bedankte sich beim Künstler, bei den zahlreichen Gästen und den Helfern aus beiden Vereinen, die den wunderbaren Abend ermöglichten.

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Bilder von Digel